Oberhessische Presse vom 31. Oktober 2003

zum Konzert des Staatlichen Moskauer Sinfonieorchesters
mit Dmitry Orlov (Leitung) und Ludmilla Bogdanova (Sopran)



              




Ungewöhnliche musikalische Reise durch zwei Jahrhunderte

Staatliches Sinfonieorchester Moskau spielte Verdi, Strauss
Marburg. Mit starkem Beifall verabschiedeten rund 800 zufriedene Konzertbesucher am
Mittwoch in der Stadthalle das Staatliche Sinfonieorchester Moskau.

von Thomas Koeppen

Werke von Giuseppe Verdi (1813-1901), Richard Strauss (1864-1949) und Sergej Prokofjew (1891-1954) standen auf
dem Programm der Veranstaltung des Marburger Konzertvereins. Die Gegenüberstellung dieser drei Komponisten
sorgte für ein nicht unbedingt übliches, aber ein reizvolles und kontrastreiches Konzert. Zum Auftakt Verdi, die
Ouvertüre der Oper  Die Macht des Schicksals"; ein Werk, das häufig in Konzerten äufgeführt wird; ein Werk, das
getragen ist von blühender Melodik, starker Stimmungsmalerei und bezwingendem Ausdrucksvermögen.

Ein guter Einstieg für das Staatliche Sinfonieorchester Moskau, das unter seinem Dirigenten Dmitry Orlov diszipliniert
und dynamisch ausgewogen, aber unpathetisch musizierte. Sehr schön gelang das Zusammenspiel der
Instrumentengruppen, sauber und kontrastreich fügten die lyrischen und dramatischen Klangbilder sich zu einem
harmonischen, dicht gefügten Tongeflecht zusammen.

Aüf Verdi folgte Strauss'  Vier letzte Lieder für Sopran und Orchester", 1948 entstanden nach Gedichten von Hermann
Hesse und Joseph von Eichendorff. ln diesen letzten vollendeten Kompositionen zog der damals 84-jährige Komponist
noch einmal alle Register seines souveränen Könnens der Stimmführung und Orchestrierung. Diese Lieder sind
herrliche, ausdrucksreiche Stimmungs- und Gefühlsbilder voller unterschiedlicher Klangnuancen. Das Staatliche
Sinfonieorchester Moskau folgte der lyrischen, breit angelegten Melodik mit einfühlsamem, manchmal jedoch etwas
zu emotionslosem Spiel. Der Sopranistin Ludmilla Bogadnova gelang es nur in Ansätzen, den Kern dieser Lieder, das
Abschiednehmen, das Müde-Werden vom Leben, nachzuvollziehen. Ihre Stimme ist kräftig, dominant vor allem in der
Mittellage. Aber ihr fehlten Geschmeidigkeit und Wärme, um die lyrischen Ausdrucksnuancen dieser Lieder
überzeugend zu formulieren.

Dann Prokofjew, Ausschnitte aus den Ballettsuiten  Romeo und Julia". Es ist Musik voller Dynamik und Kontraste. Sie
bot dem Staatlichen Sinfonieorchester Moskau Gelegenheit, sein Werkverständnis und Können zu beweisen. Mit
sicherem, emotionsreichem Spiel skizzierte das Ensemble die einzelnen Klangbilder. Überzeugend entwickelte sich im
 Menuett" die Gegenüberstellung des pompös-würdevollen Themas mit einem von Hörnern und Klarinetten intonierten
weichen Motiv. Treffend charakterisierten die Musiker auch die melancholische Abschiedsstimmung in den
schwebenden, fast schon berauschenden Klängen des  Romeo und Julia vor der Trennung", ebenso das schlichte,
von Streichern, Holz- und Blechbläsern getragene Todesmotiv in  Romeo an Julias Grab".


 






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