Oberhessische Presse zum Klavierabend von Kirill Gerstein
OP vom Samstag, 31. Januar 2004



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Junger Pianist mit großer Zukunft

Marburger Konzertverein präsentierte Kirill Gerstein vor 620 Zuhörern in der Stadthalle

von Christiane Rippel

Marburg. Mit Kirill Gerstein präsentierte der Marburger Konzertverein einen jungen Pianisten, dem eine große Karriere prophezeit wird.


"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben": Dieses Motto galt am Donnerstagabend in der Stadthalle nicht. Gast des Konzertvereins war der russische Pianist Kirill Gerstein, der gelassen wartete, bis auch die Nachzügler ihre Plätze eingenommen hatten. Gelassenheit ist eine Eigenschaft, die sich der 24-Jährige ohne Zweifel leisten kann, denn er beherrscht Instrument und Repertoire meisterhaft.

Auf dem Programm des Abends standen Werke aus drei Jahrhunderten und schon mit dem ersten gelang es Gerstein, die 620 Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Für die perfekte und lebendige Interpretation von Johann Sebastian Bachs festlicher „Partita Nr. 4 in D-Dur" dankte das Publikum mit begeistertem Applaus. Auch Bravo-Rufe und Fußstampfen waren im Verlauf des Abends regelmäßig zu hören. Doch zunächst folgten Sergej Rachmaninoffs „Variationen op. 42 über eine Thema von Corelli (La Folia)". Dabei zog der Künstler alle Register seiner Ausdruckskraft ziehen. Beeindruckend gelang es ihm, die unterschiedlichen Charaktere der 20 Variationen herauszustellen.

Der zweite Teil des Konzerts begann mit der berühmten letzten Klaviersonate Ludwig van Beethovens Nr. 32 in c-Moll. Deren erster Satz gilt als einer der stürmischsten Sätze des Komponisten, wohingegen im folgenden Variationensatz die schlichte Gesanglichkeit des Themas besticht. Der Pianist meisterte beide Sätze mit großer Virtuosität  und  ausgeprägter  dynamischer Flexibilität.

 Diese Fähigkeiten waren auch im modernsten Programmpunkt des Abends gefragt, bei dem sich Gerstein an die vom Komponisten vorgegebenen Tempi hielt: drei Etüden für Klavier von György Ligeti aus dem Jahr 1985 wurden nicht nur vom jüngeren Publikum begeistert aufgenommen.

Am Schluss des Konzerts stand die Etüde Nr. 3 aus den „4 Etüden für Klavier op. 2" von Sergej Prokof jew. Und nun wurde auch deutlich, warum der Pianist sein Programm mit diesem kleinen Werk - und nicht mit der bekannten Beethoven-Sonate - beenden wollte. Während diese nämlich ebenso wie die Etüden Ligetis sehr leise endet und sich fast hinaus schleicht, bietet Prokofjews „Andante semplice" auf kleinem Raum die Steigerung zu einem fulminaten Abschluss. Doch damit noch nicht genug: Als Zugabe erklang in wunderbarer Leichtigkeit George Gershwins „Embraceable You".

Kirill Gerstein versteht es, Jugendliche wie Erwachsene gleichermaßen für die Klaviermusik zu begeistern - und dies nicht nur durch perfekte Interpretationen, sondern weil man ihm ansieht, dass er jedes einzelne Werk lebt. Der Konzertverein hat viel Weitsicht bewiesen, als er diesen jungen Musiker, dem man mit Recht eine große Zukunft prophezeit, vor gut zwei Jahren nach Marburg einlud."










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